Das Geheimnis daoistischer Mönche (Wudang-Mönche)

Wir lieben den Ausdruck „Mönche“ für Personen, die sich einer Sache verschrieben haben und konsequent in einer außerweltlichen Askese leben. In Zusammenhang mit Wudang und Daoismus (Taoismus) ist es jedoch fast immer ein Marketinggag. Hier erkläre ich wieso:

8ed0c1a26ad759343b3cdeb96793fff2Definition Wudang-Mönch – daoistischer Mönch

Oft handelt es sich um Personen die mit der weltlichen Seite des chinesischen Alltags nicht klar gekommen sind, oder ein leichtes Leben suchen wo sie keine schwere Arbeit verrichten müssen. Die wenigsten davon verschreiben sich tatsächlich dem Taoismus als Lebensphilosophie sondern sind religiös (Mönche).

Politik

Der richtige Begriff wäre „taoistischer Priester“, denn nur Chinesen die in der Taoist Association offiziell angemeldet sind können auch in einem taoistischen Tempel leben der von dem politisch engagierten Wudang Präsidenten für sie zugeteilt wird. Der Präsident von Wudang hat selber nichts mit Taoismus zutun, vertritt aber die Interessensgemeinschaft im politischen Sinne und kontrolliert die Ticketpreise für Busse und Tempel, sowie die Priesterschaft, Personal und die Zufahrtsstraßen.

Alltag der Priester

China hat eine Regel die besagt, dass nur Chinesen taoistische Priester werden dürfen. Ausländer sind nicht erlaubt. Offizielle taoistische Priester bekommen kostenlose Mahlzeiten von der Tempelküche und einen Schlafplatz in der Nähe des Tempels.

Der Großteil der „Priester“ im Tempel gehören lediglich zum Personal und haben keinen taoistischen Hintergrund, sie verrichten die Abwicklungen im Ticketverkauf und halten die Tempelanlagen für Touristen instand.

Der kleinere Anteil sind „richtige“ taoistische Priester und meist sind es pro Tempel nicht mehr als 1 bis 2 Priester. Diese verrichten taoistische Rituale oder Gebete zur Demonstration. Zhen Wu und die Unsterblichen werden dabei verehrt. Taji, Qi Gong oder andere Bereiche der „inneren Kampfkunst“ sind den meisten Priestern nicht oder nur sehr begrenzt geläufig und gehört nicht zu ihren Aufgaben. Taoistische Priester sind eher bekannt für taoistische Musik und dafür die Rituale regelmäßig zu üben, sowie das auswendig lernen der taoistischen Gebete.

Irrglaube Religion und „Innere Kampfkunst“

Die taoistischen Priester folgen den Lehren von Zhen Wu und den acht Unsterblichen, diese haben wenig Zusammenhang mit der Kampfkunst. Die Lehren von Laozi sind nicht religiös und daher kein Stoff für Priester. Die philosophische Praxis baut auf das Fundament der Wudang Kampfkunst auf, somit sind taoistische Priester die falschen (zumindest nicht die besten) Ansprechpartner, wenn man Wudang Kampfkunst, Taiji, Qigong oder ähnliches erlernen will. Da die Wudang Kampfkunst keine richtige Religion ist, sind Priester generell nicht die richtigen, an die man sich zu diesem Thema wenden sollte. Taoistische Priester sind sehr bewandert im Lehren der taoistischen Kultur und der alten taoistischen Bräuche und Religion.

Meiner Meinung nach entspricht der taoistische Priester nicht den westlichen Erwartungen. In China halten taoistische Priester die Tempelanlagen sauber, trocknen Früchte auf den hohen Wänden des Tempels und verrichten Rituale für sich und Touristen. Jeden Tag verbrennen sie auch viele Räucherstäbchen und lassen nach einem Gebet die Klangschalen erklingen. Da taoistische Priester wirklich wenig Stress und viel Freizeit haben, gehen viele ihren Hobbys nach, z.B.: Bienen kultivieren, Kräuter sammeln, Pilze sammeln, Musik spielen, Meditation, körperliches Workout und in sehr seltenen Fällen „innere Kampfkunst“.

Die taoistischen Priester fragen oft richtige Wudang Meister um Rat um körperliche Beschwerden oder ähnliches zu behandeln oder vorzubeugen.

Alles unter Kontrolle

Jeder Tempel, jede kleine Holzhütte steht unter politischer Kontrolle und vertritt die Interessen der kommunistischen Partei. Das Wudang Gebirge ist groß und es gibt viele Tempel. Ausnahmen gibt es jedoch keine, denn das gesamte Gebiet ist abgesperrt und wurde zum Nationalpark erklärt – heutzutage eine Touristenattraktion. Den „geheimen“ unabhängigen Kung Fu Einsiedler dort zu finden ist also kaum möglich. Jeder hat Rechnungen, Erwartungen und Umsätze zu erfüllen.

Der „taoistische Mönch“ wie wir uns ihn vorstellen wurde mit der letzten Revolution umgebracht da alle Taoisten damals für vogelfrei erklärt wurden. Bis heute sind viele Tempel noch mit Brandspuren versehen. Seit kurzem ist Wudang ein Nationalpark und China baute die meisten Tempel wieder auf und kontrolliert genau wer Taoist ist und was die „Taoisten“ machen. Aufgrund der breiten Straßen für die Autobusse musste man viele Tempelanlagen zerstören um genügend Platz zu machen. Alte Tempel die zu weit weg von der Straße liegen wurden nicht wieder aufgebaut.

Seit neuesten baut man auch die „Tai Chi Lake“ ein großer Komplex mit vielen Hotels und großen Wudang Schulen. In China wird versucht mit Wudang viel Umsatz zu machen, der Ausbau der in den letzten drei Jahren stattgefunden hat ist ein Wahnsinn. Vor 5 Jahren hatte Wudang noch Schotterstraßen und bestand nur aus wenigen Häuserblöcken. Heute ist der Ort Wudang geschätzt 20 mal so groß wie damals.

Durch die riesige Expansion werden alte Farmer umgesiedelt, das führt zu Aufregung und Ausländer sind bei ursprünglichen Einwohnern dadurch nicht beliebt.

Wir leben Wudang

Es ist nicht gut sich in diesem Hyperkapitalismus zu verfangen, wir Westler haben anderen Bedarf und sind in vielen Dingen mit der chinesischen Ansicht nicht kompatibel. Wir wissen wie der „taoistische Mönch“ auszusehen hat, und Wudang tragen wir immer in unserem Herzen so wie es sein soll. Deshalb leben wir das Ideal durch tägliche praxis und verstehen die inneren Werte die uns da dadurch bereichern.

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