Die Aufgaben des Meisters (Shifu)

f95d3bc15b8dc57b6ab6366259154758Meister und Tradition

„Shifu“ ist ein kantonesischer Ausdruck und hat eine Doppelbedeutung aus den Symbolen für „Vater“ und „Meister“. Eine weitere Bedeutung im traditionellen Schreibstil ist „Fachmann“ und „Lehrer“. Der Shifu ist eine Person des Vertrauens und für die Schüler ein Teil der Familie. Jemanden mit Shifu zu begrüßen erweist den gleichen Respekt wie ein Kind das seinen Vater begrüßt.

Jemand Fremden Shifu zu nennen ist überaus respektlos, da Akademiker oder viel wissende Personen mit „Laoshi“ (Professor, Lehrer) angesprochen werden. Shifu steht für die Zusammengehörigkeit und das Vertrauen zwischen Schüler und Meister.

Vater und Meister

Im Westen verstehen wir die Rolle des Shifus oft falsch. Ein Shifu ist nicht jemand der primär Befehle erteilt oder seine Schüler kommandiert. Viele Pseudo-Meister werden schwach bei dem Gefühl von Macht und Kontrolle und verlieren ihren Weg. Der Shifu darf nie sein Ego zwischen sich und die Schüler stellen oder gar seine elterliche Rolle verlieren.

Die Ausbildung der Schüler gehört nicht zu den einzigen Aufgaben des Shifus, sondern auch das beobachten der Persönlichkeitsentwicklung. Die Methoden können dabei je nach Shifu stark variieren. Der Shifu nimmt eine unterstützende Rolle im Beschreiten des Lebensweges ein. Es gibt Zeiten da greift ein Shifu härter durch und stellt den Schüler auf eine Probe. Die Grenzen zwischen einem fürsorglichen Vater und einem strengen Lehrer zu finden gehört für den Shifu zu den schwierigsten Aufgaben.

Die Rolle des Shifus ist nicht dazu da um seine ausgeprägten Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, sondern um Verantwortung für seine Schüler zu übernehmen und ihnen Sicherheit und Wachstum zu gewährleisten.

Letztendlich ist die finale Rolle des Meisters die Stärkung der Familienlinie und die Sicherung würdiger Nachfolger.

Mit dem Shifu lernen

Schüler sollten sich die Worte des Shifu zu Herzen nehmen und genau das tun was er sagt. Jeder Shifu der seine Rolle ernst nimmt beobachtet die Entwicklung seiner Schüler genau, meist genau dann wenn der Schüler selbst es nicht sieht. Viele Meister haben einen ausgeprägten Sinn für das herausfinden des wahren Commitments seiner Schüler. Schauspielern hilft hier nicht viel, die wahre Person wird schnell für den Shifu erkennbar.

Die Lehren des Shifus basieren immer auf Lebenserfahrung, denn nur das ist in der Rolle des Shifus wirklich wert unterrichtet zu werden. Dinge die dem Meister selbst in seinem Leben geholfen haben werden weitergegeben. Ein Shifu ist kein Bildungsinstitut sondern eine Sammlung von Weisheiten. Von daher ist es sehr unhöflich mit dem Shifu Diskussionen über sein Training anzufangen oder seine Anweisungen gar in Frage zu stellen. Sind die Methoden wirklich fragwürdig kann man in einem ruhigen Moment unter zwei Augen konkret nachfragen, jedoch sollte sich jeder Schüler vorher genau selbst überlegen ob die Absichten des Shifus vielleicht gewollt sind.

Ein Shifu muss nicht den Schülern als Lehrer imponieren und viele werden wenig Kontakt mit den Schülern führen. Manchmal werden die richtigen Fäden hinter den Kulissen gezogen um auf die Lehren des Meister zu stoßen, auch das ist eine oft angewandte Methode unter traditionellen Meistern. Wer unabhängig davon für sich trainiert und die Lehren respektiert wird gut mit einem Shifu auskommen, denn dieser wird regelmäßig die Geduld und Toleranz seiner Schüler auf die Probe stellen.

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Ein Gedanke zu „Die Aufgaben des Meisters (Shifu)“

  1. Besser wüsste ich das nicht zu sagen, hast du wirklich wunderschön beschrieben.
    Genau so sollte die Beziehung zwischen Schüler und Shifu sein 🙂

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