Die Meisterklasse der „Inneren Kampfkunst“

Kung Fu ist nicht Kung Fu, genauso wie ein einfacher Schlag nicht gleich ein Schlag ist. Während die Ausführung womöglich nahezu identisch ist, sind nicht nur körperliche Faktoren für eine optimierte Ausführung wichtig. Es ist typisch daoistisch über die Verfeinerung der eigenen Fähigkeiten nachzudenken. Wo fängt die Kunst der Beherrschung genau an?

Die Antwort ist nicht wirklich gut formulierbar da sie individuell ist, anhand von einem Beispiel geht es um einiges leichter: Der perfekte Krieger kommt und geht wie der Wind. Seine Anwesenheit ist im hier und jetzt und er wirkt direkt durch seinen Willen. Im Zustand des vollen Bewusstseins strebt er der Freiheit entgegen und bewegt sich auch körperlich danach. Jemand der nach Freiheit in allen Formen strebt sieht über die Dinge hinweg die ihn vorher eingesperrt haben.

Die Beherrschung ist ein körperliches aber auch intuitives Thema. Wie in der Meditation lernen wir den Kopf frei zu bekommen um uns nicht ablenken zu lassen. Wer frei ist spürt Dinge die kommen und gehen. Das ist ein wichtiger Schritt zum Selbststudium der inneren Kampfkunst.

Sobald eine Bewegung über unseren Dantian geht unterliegen wir der natürlichen Reihenfolge und müssen uns daher entspannen um spüren zu können. Jeder zusätzliche Gedanke „blockiert“ den natürlichen Ablauf, ein intuitives Umsetzen durch viele Wiederholungen ist traditionell der Weg.

Liang Yi – Das Konzept

100px-taijiquan_symbolLiang Yi ist ein wichtiger Bestandteil der Wudang Lehre und wird normal sehr fortgeschrittenen Schülern unterrichtet. Wer effizient mit seinem Körper umgehen will muss die Kontrolle über Yin und Yang in seinem Körper beherrschen. Liang Yi bedeutet „zwei Kräfte“ und steht für die tiefe Entspannung und äußerste Kraft die im Wudang Kung Fu praktische Anwendung findet.

Neben der Taiji Grundlehre, die uns die genaue Struktur von Yin und Yang im Körper beschreibt, beschäftigt sich Liang Yi mehr mit der Praxis selbst. Wenn wir voraussetzen, dass man immer nach den Taiji Prinzipien koordiniert, dann öffnen sich die Tore für die Liang Yi Kontrolle.

Die Formel der Taiji Praxis ist: Richtung, Weg und Kraft. Alle Taiji Prinzipien bauen danach auf (vereinfacht erklärt).

In Liang Yi ist die Formel: Leere, Intuition, Explosion.

Man sieht wie Taiji und Liang Yi ineinander aufbaut. Taiji ist wichtig für das „Verhalten“ in der inneren Kampfkunst, während Liang Yi die direkte Ausführung beschreibt. Obwohl die Ergebnisse von Liang Yi immer in äußerer Kraft resultieren, entsteht alles direkt von innen über den Dantian.

Liang Yi formt sich intuitiv durch die Absicht und resultiert explosiv in „maximaler“ Kraft. Dabei geht es nicht darum maximal die Muskeln anzuspannen, sondern direkt die Energieübertragung zu optimieren. Das volle Spektrum des Körpers und der absoluten Freiheit geben Liang Yi das Fundament das gebraucht wird um effektiv Kraft/Energie kontrollieren zu können. Wer dieses Konzept beherrscht wird weniger müde und kann seine Kräfte effizienter einteilen. Dies ist einer der Gründe wieso Wudang Kung Fu immer so leicht und entspannt aussieht.

Die Meisterklasse der inneren Kampfkunst kann nie ganz „gemeistert“ werden. Ironischerweise ist das wonach der „perfekte Krieger“ strebt unerreichbar, die Inspiration selbst gibt aber Grund genug. Was ist absolute Freiheit? Was ist „maximale“ Kraft/Entspannung? Wer sich noch nie darüber Gedanken gemacht hat sollte darüber nachdenken wie die Inspiration daraus sein Training beeinflusst.

Unerreichbarem kann man sehr gut nahe kommen und mit jedem Tun kommen wir dem Verstehen einen Schritt näher. Der Weg ist das Ziel und die Motivation eines jeden Taoisten. Statt dem Unerreichbaren entgegen zu blicken, ist er froh seinen Weg fürs Leben gefunden zu haben.

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