Wie mir Tai Chi mein Leben zurück gab!

Scroll down to content

Bevor ich mit dem Tai Chi und Qi Gong Training begann, war mein körperlicher Zustand so schlecht, dass ich im Grunde nur mehr zwei Möglichkeiten sah: entweder ich lasse mich hängen und gebe mich den Schmerzen und dem körperlichen Verfall hin, oder ich raffe mich auf und kämpfe für einen vitaleren Körper und behalte meine Lebensfreude.

Alles hat vor einigen Jahren begonnen. Meine Nerven setzten bei Bewegung einfach aus. Durch eine Schädigung der Wirbelsäule und des Nervensystems, mit einhergehenden starken Nervenschmerzen, war die Durchführung mehrerer Operationen an der Wirbelsäule und am Kreuzgelenk notwendig. Deshalb wurden mir Knochenimplantate und Metallbolzen eingesetzt. Die Schmerzen waren jedoch trotzdem nur mit zahlreichen Medikamenten – und auch nur einigermaßen – in den Griff zu bekommen. Ich konnte nicht mehr längere Zeit stehen und auch nicht ohne Gehstock gehen. Zahlreiche Therapieversuche bei verschiedensten Physiotherapeuten blieben relativ erfolglos. Auch die stationären Behandlungen im Therapiezentrum – zweimal für mehrere Wochen – brachten wenig Besserung mit sich.

Dann las ich einen Artikel über einen chinesischen Arzt, bei dem eine Krebserkrankung diagnostiziert wurde. Man sagte ihm, er hätte nur noch kurze Zeit zu leben. Da er selbst Arzt war, wusste er, dass die Diagnose stimmte und er wusste auch, dass ihm die Schulmedizin hier nicht weiterhelfen konnte. Doch damit wollte er sich nicht abfinden und so studierte er alte Medizinschriften und die traditionelle chinesische Medizin (TCM). Schließlich fand er zu den Gesundheitsübungen Tai Chi und Qi Gong, die seinen Heilungsprozess wesentlich unterstützten. Als er seine Geschichte erzählte, lag das alles schon 30 Jahre zurück. Diese Geschichte und dieser Wille inspirierten und motivierten mich sehr.
Auch mein Enkelsohn gab mir Kraft und Durchhaltevermögen. Er ist war gerade zwei Jahre alt und steckte voller Energie und Leben. Mein großes Ziel war es, wieder mit ihm spielen zu können.

Ich suchte also eine Tai Chi Schule in meiner Umgebung, was kein leichtes Unterfangen werden sollte. Im Internet fand ich einen Trainer, der sogar Mediziner war. Das wäre doch die perfekte Kombination, dachte ich, und hab ihn daraufhin sofort angerufen. Als er meine Geschichte hörte, unterbrach er mich und riet mir dazu etwas Anderes zu probieren. Die Gefahr einer möglichen Querschnittslähmung wäre zu hoch.

In meinem Kopf war dieser Erfolgsartikel jedoch nach wie vor so präsent, dass ich trotz des misslungenen ersten Anlaufs nicht von meinem Plan abzubringen war. Wieder suchte ich nach einer Tai Chi Schule und kam auf die Seite der Wudang Akademie bzw. zu Meister Ziji (Michael Weichhardt). Es war Sonntag nachmittags als ich ihn kontaktierte und er meldete sich sofort zurück. Wenige Tage später hatten wir bereits das erste Probetraining. Diesmal hielt ich aus Sorge vor einer erneuten Ablehnung meine Vorgeschichte etwas zurück.

Der Trainingsraum befand sich im zweiten Stockwerk und ich erinnere mich noch gut daran, wie beschwerlich dieser Weg für mich war. Bereits vor dem Training war ich schweißgebadet. Der Meister war jedoch sehr einfühlsam und schaute sich meine körperlichen Probleme genau an. Er zeigte mir drei verschiedene Übungen – eine Stunde lang. Länger hätte ich es auch nicht mehr durchgehalten. Ich war völlig erschöpft und kraftlos und gleichzeitig fühlte ich mich, als hätte mir endlich jemand einen schweren Rucksack abgenommen. Ich hatte wieder Hoffnung und neuen Mut geschöpft.

Der Meister gab mir jede Woche eine Hausübung mit auf den Weg und er hielt mich zum täglichen Üben an. Er lehrte mich richtig und effizient zu gehen und in der richtigen Haltung zu stehen. Auch wichtig waren das Atmen und die Qi Gong Übungen. Obwohl die Übungen nicht immer schmerzfrei möglich waren, vertraute ich meinem Körper. Nach einigen Wochen stellten sich die ersten Anzeichen einer Besserung ein. Ich konnte die Tabletteneinnahme reduzieren und mein Gang verbesserte sich zusehends. Freunde, die mich mehrere Monate nicht gesehen hatten, konnten diese Veränderung kaum glauben. Sie mussten sich selbst überzeugen.

Heute – nach zwei Jahren – genieße ich immer noch die gleichmäßigen und fließenden Tai Chi Bewegungen. Mein körperlicher Zustand hat sich inzwischen so weit gebessert, dass ich auch einmal wöchentlich am Gruppentraining teilnehmen kann. Ich habe durch das Training gelernt, besser mit meinen Schmerzen umzugehen und gleichzeitig die Bedürfnisse meines Körpers wahrzunehmen.

Ich bin sehr dankbar für diese Erfahrung und möchte mit meiner Geschichte allen ans Herz legen, sich aktiv um ihren Körper zu kümmern. Für Qi Gong und Tai Chi ist man jedenfalls nie zu alt.

Beste Grüße
P.A.

Ein Bericht von P.A. nach 2 Jahren Training in unserer Wudang Akademie.
SDIM2144_proc
P.A. im Tai Chi Seminer Herbst 2018 mit Chen Shiyu
Werbeanzeigen

2 Replies to “Wie mir Tai Chi mein Leben zurück gab!”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: