Die Wudang Lebensweise ist ein Kulturerbe

Der erste taoistische Gedanke der Menschheit kam mit den Existenzfragen: Woher komme Ich? Wohin wird mich mein Leben führen? Und was mache ich dafür? Das Betrachten des eigenen Lebens ist ein wichtiger Schritt zur Selbsterkenntnis und für die persönliche Entfaltung und Verwirklichung des Bewusstseins.

Durch diese neuen Erfahrungen stellt man schnell fest, dass man immer selbst für sein Leben verantwortlich ist. Schauen wir von unserem Selbst weg oder richten den Fokus auf Andere, dann finden wir mit Sicherheit Gründe und Perspektiven, die unsere Taten in der Welt des Anderen als gerechtfertigt erscheinen lassen und fühlen uns in unserem Vorhaben bestätigt. Die taoistische Lehre dreht hier den Spieß um und steht für das Meistern des Selbst, der eigenen Person, um aus unserem Leben letztendlich die Anderen als Vorbild zu inspirieren. Dieser Schritt erfolgt unbewusst und ganz von alleine, indem jeder Taoist seinen Weg selbst beschreitet und verantwortungsbewusst mit seinem Leben und seiner Umwelt umgeht.

Taoismus hat absolut nichts mit Esoterik bzw. Mystik gemein !

Taoisten studieren ihren Körper, ihren Geist und ihre emotionale Einstellung, um daraus die eigene Natur zu verstehen. Da jeder Mensch anders funktioniert, ist Taoismus immer ein Studium des eigenen Selbst. Wie in der Kampfkunst ist der gesamte Körper beteiligt und der Weg, den man im Leben geht ist verbunden mit der Herkunft, dem Ursprung.

Der harmonische Ursprung entsteht immer aus der Quelle, dem Tao und so ordnete man auch die Natur in ein System aus den korrespondierenden Polaritäten ein. Daraus sind dann Bagua – die acht Gegensätze, die Wuxing – die fünf Phasen und viele weitere Naturlehren entstanden. Da alles immer einen Ursprung hat, ist auch das Vorhandensein des Taos außer Frage, welches immer da ist, unabhängig von Ort und Entfernung. Das Bewusstsein der Quelle, dem Tao, ist wesentlich für die Harmonisierung von Yin und Yang.

Philosophisch gesehen ist der Himmel im Taoismus ewig, während die Erde das immerwährende Sein des Himmels real werden lässt. Es ist die Koexistenz von Himmel und Erde, die zeitlos ist. Die Verbindung zwischen Himmel und Erde ist ein Vorbild in Taiji und in der Weltanschauung der Taoisten. Die Voraussetzung für ein glückliches Leben ist der Einklang mit Himmel und Erde. Heute ist diese Lehre bekannt unter Ziran 自然.

Der taoistische Lebensstil verbindet jedes Handeln mit Rücksicht auf die Natur. Eine Störung in der eigenen Umwelt wäre verantwortungslos. Man erkannte, dass sich viele Dinge mit der richtigen Lebensweise vorbeugend lösen lassen. Hier ein Beispiel von Laozi 老子:

Der Weise wirkt durch das Unausgesprochene ohne Anstrengung.
Unterricht ohne erklärende Begründungen
etwas bewerkstelligen ohne auf Erfolg zu achten
nichts Erreichtes beanspruchen,
der Weise hat nichts zu verlieren.

Diese Lehre ist bekannt unter Wuwei 無為 und wurde von Laozi im Tao Te Ching beschrieben.

Das emotionale Befinden korrespondiert mit dem Umfeld und somit sind auch die Orte an denen wir leben sehr wichtig. Viele Tempel und Orte in Wudang sind in Ihrem Aufbau und Optik nach den Prinzipien des Bagua geprägt, um möglichst viele Ähnlichkeiten mit der Natur zu haben. Dies sollte Glück und Harmonie erzeugen und den Einklang mit der Natur aufrecht erhalten. Es gibt heute unzählige Abwandlungen, doch ist diese Form von taoistischen Verständnis bekannt unter dem klassischen Feng Shui 風水. Es gab vor dem 19ten Jahrhundert keine schriftlichen Dokumente, die Feng Shui genauer erklären. Der Weg von Feng Shui war vorher eher philosophisch zu betrachten als ein Weg der Selbsterfahrung aus der geologischen Beschaffenheit und der Harmonie der Natur. Viele der heutigen Feng Shui Modelle sind westlich geprägt und systematisiert.

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