Wudang liegt inmitten von hohen Bergen die bis heute den Taoisten als heilig gelten. In der chinesischen Provinz Hubei kann man das prächtige und uralte Wudang-Gebirge besichtigen. Vor 800 Jahren errichteten Taoisten auf den Befehl des damaligen Kaisers eine vielzahl von Tempeln und Klöstern auf den Wudang Bergspitzen. Der legendäre Taoist Zhang Sanfeng erarbeitete dort durch langes Training den Wudang Stil und schuf das Fundament des heutigen Wudang Taiji. Sanfeng bedeutet Himmel und Erde, der Himmel ist allgegenwärtig und die Erde duldsam. Aus diesem Zusammenspiel entsteht der immerwährende Ursprung des Tao. Der Weg der Natur beschreibt die Herkunft des Tao und lässt die natürliche Reihenfolge entstehen, aus welcher sich der Kreislauf schließt und die Rückkehr zum Ursprung erfolgt.

Lange blieb das taoistische Wissen, die lebenserhaltende Kunst und die hochentwickelte Kampftechnik in den Klöstern von Wudang verborgen. Alle heutigen chinesischen Heilmethoden sind auf taoistische Lehren zurückzuführen. Das Ziel ist die kräftigende Wirkung und Stärkung von Körper, Geist und Wesen. Die taoistischen Hilfsmittel hier sind das Tao Te Ching 道德經, welches viele philosophische Ansätze näher erläutert, sowie eine Vielzahl von traditionellen körperlichen und geistigen Lehren, darunter:

  • Neijia 內家, auch bekannt unter Neigong 內功, ist eine wichtige Grundlehre der Wudang Taoisten und steht für die weichen und inneren Fähigkeiten. Fajin 發勁 die explosive Kraft ist ein wesentlicher bestandteil von Neijia. Der Kontrast zu Neijia wäre Waijia 外家 auch bekannt unter Waigong 外功 von den Shaolin Mönchen, welches für die harten und äußeren Fähigkeiten steht.
  • Qigong 氣功 ist die Kunst der Atmung und damit auch der Energiezufuhr. Qigong ist ein wesentlicher Bestandteil aller inneren Kampfkünste. Die Atmung steuert unseren gesamten Organismus, den Herzschlag, die Muskeln, die Leistungsfähigkeit und vieles mehr. Dies reflektiert auf natürliche Weise nach innen und bestimmt auch das derzeitige Befinden, wie zum Beispiel: Stress, Konzentrationsfähigkeit, Ausgeglichenheit usw…
  • Innere Alchemie oder auch Neidan 內丹術 genannt ist ein Teil der taoistischen Lehren für die Kultivierung der drei Schätze: Qi 氣, Jing 精 und Shen 神.

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    Qi 氣
    , steht hier für die Energie und Leistungsfähigkeit (geschrieben wie Atmung). Qi ist in der Leber beheimatet.
    Jing 精, steht für die Vitalität im körperlichen Sinne. Jing wird in den Nieren gespeichert. Müdigkeit und Trägheit sind daher auf geschwächte Nieren zurückzuführen.
    Shen 神, steht für den Geist und das Bewusstsein. Shen inkludiert auch das Nervensystem. Ein gesundes Shen sieht man an den Augen, wenn diese aufgeweckt, lebendig, hell und leuchtend sind.

Spätestens jetzt wird klar, dass alles in der taoistischen Lehre zusammenhängt und nur die Kultivierung aller drei Schätze zur bestmöglichen Gesundheit führt. Mehr Infos dazu…

 

  • Äußere Alchemie oder auch Waidan 外丹術 genannt hat mit der Wirkung von Heilkräutern und anderer natürlicher Medizin zu tun. In Wudang hat äußere Alchemie den wichtigen Zweck Verletzungen und Krankheiten zu behandeln. Viele Ansätze der heutigen TCM (traditionellen chinesischen Medizin) haben ihren Ursprung in der äußeren Alchemie.
  • Taiji 太極 ist eine Verteidigungskunst und lebenserhaltende Übung. Taiji kann nur als innere Kunst angesehen werden, wenn die wichtigen Elemente von Qigong und Neijia enthalten sind. Neben motorischen Fähigkeiten und Koordinationsübungen geht es hier um die Harmonisierung von Yin und Yang. Stabilität, Atmung, Ruhe und Bewusstsein sind sehr wichtig für die Ausübung von Taiji.
  • Liangyi 兩儀 auch Taiyi 太一 genannt stellt den Gegensatz zu Taiji dar. Die Ausübung hier ist ein bewusstes Teilen von Yin und Yang. Nach dem Prinzip überall wo Yin ist, muss auch Yang enthalten sein. Und umso mehr von einem, umso mehr wird man auch das Andere finden. Neben den vielen positiven Gesundheitsaspekten ist Liangyi eine wichtige Lehre und Erweiterung zu Taiji um die eigenen Energien und Kräfte zu verstehen und dessen Umsetzung zu verbessern.
  • Wuxing 五行 ist die Lehre der fünf Elemente oder fünf Phasen. Sie erklärt die Interaktion der inneren Organe und andere Phänomene in der Natur. Die fünf Phasen werden auch den fünf Jahreszeiten im chinesischen Kalender zugeordnet. Der Spätsommer zählt dabei als eine zusätzliche Jahreszeit. Wuxing ist aufbauend nach dem folgenden Prinzip:

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    Holz füttert FeuerFeuer schmilzt Metall
    Feuer erzeugt Erde (Asche)Erde dämmt das Wasser
    Erde enthält MetallMetall fällt Holz
    Metall reichert das Wasser (Minerale) an – Wasser löscht Feuer
    Wasser nährt HolzHolz teilt die Erde

Taiyi Wuxingquan ist in Wudang auch eine Form der Selbstbeherrschung und Lebenserhaltung, welche die Interaktion der fünf Elemente im Fokus hat.

 

  • bagua-small-compressor2-compressorBagua 八卦 das fundamentale Prinzip der Realität ist in acht mögliche Konzepte aufgeteilt. Jedes Konzept wird durch eine Kombination aus drei Strichcodes (Trigramme) dargestellt, diese bestehen aus gebrochener Linie oder ungebrochener Linie und symbolisieren Yin oder Yang.

☰ 乾 Qián: das Symbol für den Himmel 天 Tiān, Stärke, Kreativität, Kopf.
☱ 兌 Duì: bedeutet See 澤 Zé und symbolisiert auch Vergnügen, Stille, Mund.
☲ 離 Lí: Symbol für das Feuer 火 Huǒ, Anhänglich, Anpassungsfähig, Licht gebend, Augen.
☳ 震 Zhèn: bedeutet Donner 雷 Léi, Auslösend, Initiative, Füße.
☴ 巽 Xùn: symbolisiert den Wind 風 Fēng, Flexibilität, leicht durchbohrend. Oberschenkel.
☵ 坎 Kǎn: Symbol für das Wasser 水 Shuǐ, innere Bewegung, Gefahr, Ohren.
☶ 艮 Gèn: bedeutet Berg 山 Shān, ruhend, Stabilität, Abschluss, Hand
☷ 坤 Kūn: symbolisiert Erde 地 Dì, Widmung, Empfänglichkeit, Bauch

Die Bagua Lehre hängt stark mit den Prinzipien von Taiji und der „Fünf Elemente Lehre (Wuxing 五行)“zusammen. Zudem gibt es den damit verbunden Kampfstil Bagua Dao (Säbel) 八卦刀.

  • Xuanwu 玄武 und Xuangong 玄公 kommen ursprünglich aus dem Norden Chinas und verbreiteten sich Richtung Süden. Xuan Wu ist eine höherrangige Gottheit im Taoismus, welche als mystischer Krieger dargestellt wird. Die Bedeutung der chinesischen Schreibweise beschreibt einen Zustand wenn das Licht von einer Seite durchscheinen kann, jedoch von der anderen Seite nicht ersichtlich ist. Xuangongquan ist ein nördlicher Kampfstil mit dem Schwerpunkt auf Fußtritte. Während Xuanwuquan die Prinzipien von Liangyi beinhaltet und als südlicher Kampfstil viele flüssige Handbewegungen enthält.
  • Baji 八極 ist ein Langfaust-Stil bestehend aus acht Grundhaltungen mit dem Fokus auf Fajin, der explosiven Kraft. Baji ist ein hochentwickelter Kampfstil, welcher aus der Bagua-Lehre kommt. Aus Neijia wird die größtmögliche explosive Kraft nach außen generiert. Qigong ist dabei wichtigster Bestandteil für die Kraftübertragung. Bajiquan ist bekannt dafür, den Kampf mit einem Schlag zu beenden.
  • Baxian 八仙 sind die acht Unsterblichen, deren Geschichte bis in das 12te Jahrhundert zurückgeht. Jeder der acht Unsterblichen hat besondere Eigenschaften und wird von Taoisten verehrt.
Die Unsterblichen sind:
  • He Xiangu 何仙姑 hält eine Lotus Blume und kann mit dieser die Gesundheit verbessern.
  • Cao Guojiu 曹國舅 wird mit Kastagnetten dargestellt.
  • Li Tieguai 李鐵拐 geht mit einer eisernen Krücke herum und hilft den Kranken.
  • Lan Caihe 藍采和 trägt einen Blumenkorb.
  • Lü Dongbin 呂洞賓 trägt ein Schwert und ist Vorläufer und Meister der inneren Alchemie.
  • Han Xiangzi 韓湘子 trägt eine Flöte und war Schüler von Lü Dongbin
  • Zhang Guolao 張果老 besitzt ein Maultier und eine Bambustrommel.
  • Zhongli Quan 钟离权 trägt einen Fächer aus Federn und trinkt oft Wein.

In Wudang wird die Kampfkunst und die Kultur der acht Unsterblichen bis heute intensiv gepflegt.

  • Longhua 龍華 der Drachenstil hat eine weit zurückreichende Geschichte im Taoismus. Neben einer Vielzahl von Hand- und Fußtechniken, ist Longhua für die Schnelligkeit und Geschicklichkeit mit dem Schwert bekannt. Die Bewegungen werden fließend ausgeführt und orientieren sich an der Verbindung zwischen Himmel und Erde. Sie wirken sehr anmutig, frei und „fliegend“ wie ein Drache. Der Drache symbolisiert endlose Kraft und Unsterblichkeit.
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